Lernen mit Videos

Videos erfreuen sich nicht nur im privaten Bereich hoher Beliebtheit, sondern auch in der Hochschullehre erfährt das Medium Video (wieder) eine hohe Aufmerksamkeit. Dies liegt nicht zuletzt an aktuell diskutierten Lehr-/ Lernszenarien wie dem Inverted Classroom Model, Moocs oder Vorlesungsaufzeichnungen, bei denen das Lernmedium Video eine hervorgehobene Rolle spielt.

Potenziale und Probleme

Dem Lernen mit Videos werden verschiedene Potenziale zugeschrieben, die sich laut aktuellen Untersuchungen der Goethe Universität Frankfurt auch belegen lassen. So bietet die zeit- und ortsunabhängige Verfügbarkeit von Videos die Möglichkeit zur flexiblen Zeiteinteilung durch die Studierenden. Die Freiheit, die eigenen Studienbedingungen flexibler zu gestalten, kommt insbesondere jenen Studierendengruppen zu Gute, die aufgrund von Familienpflichten oder beruflicher Tätigkeit besonders belastet sind. Des Weiteren bieten Videos den Vorteil der individuellen Lerngestaltung. Die Möglichkeit den Lernstoff zu besonders günstigen Lernzeiten (Konzentration) erarbeiten zu können, Pausen selbst zu bestimmen, schwierige Abschnitte bei Bedarf zu wiederholen und damit das eigene Lerntempo bestimmen zu können, gehören zu den Mehrwerten, die von den Studierenden benannt werden. Diesen Mehrwerten stehen aber auch verschiedene Hemmnisse gegenüber. So wurde bereits in frühen Untersuchungen (Salomon, 1984) herausgearbeitet, dass die vermeintliche Einfachheit der Rezeption von Videos zu einer geringeren Lernanstrengung seitens der Studierenden führen kann, insbesondere wenn die Studierenden über keine geeigneten Lernstrategien mit Videos verfügen, sondern Verhaltensmuster aus dem privaten Bereich übernehmen. Darüber hinaus können sich Probleme mit der hohen Informationsdichte und -geschwindigkeit ergeben, die zu einer Diskrepanz mit der Aufnahme- und Verarbeitungskapazität der Studierenden führen können. Insgesamt stellt das Lernen mit Videos in Lehr-Lernszenarien wie z.B. dem Inverted Classroom Model hohe Anforderungen an die Selbstlernfähigkeit der Studierenden.

Didaktische Optimierung von Videos

Wie sollten also Videos didaktisch aufbereitet werden, um den Wissenserwerb der Studierenden möglichst gut zu unterstützen? Im folgenden sollen Maßnahmen zu Optimierung – auch vorhandener – Videos aufgezeigt werden, die die aktive Auseinandersetzung mit den Videoinhalten erleichtern.

  • Interaktionsmöglichleiten

Bereits einfache Steuerungsmöglichkeiten helfen den Studierenden von den Vorteilen von Lernvideos zu profitieren. Durch die Möglichkeit, das Video jederzeit anhalten und in der Pause den dargestellten Sachverhalt reflektieren zu können bzw. an eine als schwierig empfundene Stelle zurückzuspringen und diese zu wiederholen, können die Studierenden ihr eigenes Lerntempo bestimmen. Neben diesen, in der Regel vorhandenen Stopp, Pause und Rückspulfunktionen von Videos, wünschen sich leistungsstärkere Studierende die Funktion Videos mit etwas höherer Geschwindigkeit ( z.B. 1,5fach) abspielen zu können.

  • Orientierungsmöglichkeiten

Neben den Steuerungsfunktionen zum Ablauf des Videos unterstützen Funktionen, die den direkten Zugriff auf die Inhalte des Videos ermöglichen, die aktive Verarbeitung des Lerninhalts. Sprungmarken, Inhaltsverzeichnisse oder Register geben eine Orientierung – insbesondere bei längeren Videodateien – und ermöglichen den Lernenden den direkten Einstieg in die für sie relevanten Inhalte. Damit die Studierenden möglichst gut von diesen Orientierungsmöglichkeiten profitieren, sollte beim Anlegen der Inhaltsverzeichnisse oder Register auf eine möglichst gute Passung mit den Schlüsselbegriffen des Lerninhalts geachtet werden.

  • Annotationsfunktionen

Verschiedene Plug-Ins für Lern Management Systeme (ILIAS, Moodle) bieten heute die Möglichkeit interaktive Videos mit Annotationen und Kommentaren zu versehen. Neben dem Vorteil der intensiveren Verarbeitung der Lerninhalte durch individuelle Mitschriften, ermöglicht die unmittelbare Kommentierung im Video neue Lern- und Aufgabenszenarien. Die eigenen Notizen können den Mitstudierenden sichtbar gemacht und gemeinsam in dem Medium diskutiert werden. Der Lehrende erhält dabei ein Feedback über den Kenntnisstand bzw. eventuell auftretende Probleme mit dem Lernstoff. Die Funktion kann auch direkt für kollaborative Aufgabenstellungen genutzt werden, indem z.B. Studierende in Gruppenarbeit gemeinsam nach bestimmten Vorgaben Videos analysieren.

  • Integrierte Assessments

Über die o.g. interaktiven Video Plug-ins können an jeder beliebigen Stelle im Video Fragen und Quizze eingebaut werden. Das Anhalten des Videos bei Erscheinen einer Frage strukturiert zum einen den Inhalt und zwingt den Betrachter bzw. die Betrachterin eine möglicherweise eingenommene passive Konsumhaltung aufzugeben und das Video aktiv zu bearbeiten. Eingebaute Quizze geben sowohl den Studierenden als auch den Lehrenden eine Rückmeldung über den jeweiligen Lernstand.

Die oben beschriebenen Methoden zeigen wie die aktive Auseinandersetzung mit Videoinhalten gefördert werden kann. Ermutigen Sie Ihre Studierenden die vorhandenen Funktionen zu nutzen, insbesondere damit die Studierenden individuelle Lernstrategien mit dem Medium entwickeln.