Blogs

Mann beim Schreiben

Blogs als frühen Vertretern der sog. Web2.0-Tools wird vielfach ein hohes Potenzial zugeschrieben, die Lehre an Hochschulen zu bereichern. Eine Analyse der sog. Blogosphäre also der Gesamtheit und Vernetzung der Blogs und Blogger führt in der Literatur zu einer sehr positiven Einschätzung der Motivation zum Bloggen. Der in der Literatur beschriebene Wunsch nach Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft und das vorhergesagte Bedürfnis zur Darstellung der eigenen Gedanken und  Erkenntnisse passen theoretisch sehr gut zum Format des Bloggens.

Bei Studierenden – wie auch bei vielen Lehrenden – sind diese postulierten Grundbedürfnisse aber in der Praxis nicht so ausgeprägt, dass sie alleine als Motivatoren für intensive Blogaktivitäten ausreichen. Der Einsatz von Blogs in der Lehre bzw. als unterstützendes Werkzeug beim Lernen will daher bewusst gestaltet sein. Auch das Kommentieren der Beiträge anderer Studierender ist häufig zunächst mit Hemmnissen versehen, da sich die Studierenden unwohl fühlen, Feedback zu geben oder anzunehmen. Hier ist es hilfreich, Beurteilungskriterien vorzugeben oder gemeinsam zu erarbeiten und Beispiele guten konstruktiven Feedbacks zu zeigen.


Definition „Blogs”

Ein Blog ist eine tagebuchartig geführte Webseite, die kontinuierlich um Beiträge (Text, Bild, Audio, Video) oder Kommentare zu einem bestimmten Thema oder rund um eine bestimmte Person oder Gruppe ergänzt wird. Gegenstand von Blogs können Themen privater Natur sein, aber auch Sachthemen aus unterschiedlichen Bereichen wie Gesellschaft, Medien, Technik oder Wissenschaft.

Der Begriff „Blog” ist die Kurzform von „Weblog”, was wiederum zusammengefügt wurde aus „Web” und „Logbuch”.

 

Im folgenden sollen verschiedene Aspekte des Blogeinsatzes erläutert werden, über die im Vorfeld eine didaktisch begründete Entscheidung bzw. Reflexion erfolgen sollte.


Funktion des Blogs

Ein Blog kann zu sehr verschiedenen Zwecken eingesetzt werden, über die die Lernenden auch explizit informiert werden sollten. So kann das Format eines Blogs beispielsweise sowohl

  • als Werkzeug zum Wissensmanagement dienen,
  • in Bildungskontexten zur Inhaltssammlung verwendet werden.
  • als Lerntagebuch die Reflexion unterstützen,
  • im Sinne eines E-Portfolios den eigenen Lernzuwachs, einen Projektverlauf oder Arbeitsergebnisse präsentieren,
  • über die Referenzierung und Kommentierung einen vielfältigen Diskurs innerhalb einer Gruppe oder Fachcommunity unterstützen oder
  • durch die Verwendung und Einbindung unterschiedlicher Medien die Medienkompetenz der Bloggenden begünstigen. zurück zum Seitenanfang

Motivation der Bloggenden

Je nachdem, ob die Studierenden

  • intrinsisch motiviert, selbstbestimmt und interessengesteuert aus freien Stücken bloggen und kommentieren oder
  • extrinsisch motiviert sind, da die Lehrenden eine Vorgabe bezüglich der zu erbringenden Leistungen machen und die Resultate bewerten,

werden sich die Ergebnisse und Aktivitäten unterscheiden. Während die intrinsisch motivierten Blogs eher dem authentischen Bloggen entsprechen, ist in solchen Szenarien oft der Grad der Beteiligung sehr heterogen. Manche Studierenden beteiligen sich rege, andere lassen nach anfänglichen Versuchen rasch nach, einige werden sich gar nicht beteiligen. Bei entsprechender extrinsischer Motivation kann erfahrungsgemäß die Aktivität stark gefördert werden. Je nach Thema und Funktion muss aber die Authentizität der „Zwangsbeiträge” kritisch hinterfragt werden. zurück zum Seitenanfang


Zeitliche Perspektive

Bei der Verwendung als Werkzeug zum persönlichen Wissensmanagement oder zur Reflexion des eigenen Lern- oder Schreibverhaltens stellt sich oft erst nach einer gewissen „Investitionsphase” der nützliche Effekt ein. Nachdem die Studierenden eine Zeit lang den Blog gepflegt haben, kann das »u. a. zur zeitlichen Strukturierung und zur Klärung von Gedanken, zum Monitoring des gesamten Projekts, zur Überwindung von Stockungen im Arbeitsprozess oder emotionalen Krisen beitragen« [Pullich, Leif Fernuniversität Hagen (2007)].

Insofern stell sich die Frage, auf welchen Zeitraum das Bloggen angelegt ist.
Mögliche Zeiträume sind z.B.

  • die Dauer eines bestimmten Moduls
  • der begleitende Einsatz parallel zu mehreren Modulen
  • der studienbegleitende Einsatz.
  • Für Blogs im Sinne eines persönlichen Wissensmanagements ist auch zu prüfen, ob diese nicht auf einem System verortet sein sollten, das den Studierenden auch nach Abschluss des Studiums weiter zur eigenen Verfügung steht. (siehe auch den Punkt „Betreiber des Blogsystems” weiter unten. zurück zum Seitenanfang

Aufbau des Blogs

Das oder die eingesetzten Blogs können in mehrerer Hinsicht differenziert aufgesetzt werden:

Ausrichtung

Blogs können nach inhaltlichen Kriterien abgegrenzt werden und z.B.

  • nur Beiträge zu bestimmten Themen beinhalten (z.B. der Finite Element Analysis Blog ) oder
  • alle Beiträge, die der Autor, die Autorin oder die AutorInnen für bloggenswert halten, unabhängig von Thema und Inhalt.

Autorenschaft

Eng damit verbunden ist die Sozialform des Blogs, ob es sich nämlich um

  • einen Gruppenblog, bei dem mehrere Personen schreiben (z.B. alle TeilnehmerInnen und Lehrenden eines Moduls),
  • einen Dozentenblog, auf dem die Lehrenden Inhalte oder Fragen bereistellen oder
  • einen Teilnehmerblog, bei dem die einzelnen Studierenden jeweils einen eigenen Blog betreiben,

handelt. Neben der Frage, wer Blogposts auf dem Blog schreiben darf, muss ebenso die Frage im Vorfeld geklärt werden, wer Kommentare zu diesen Beiträgen verfassen darf bzw. soll.

Sichtbarkeit

Nicht nur die Frage wer auf dem Blog schreiben und kommentieren darf sollte bedacht sein, sondern auch die Frage, wer die Beiträge und Kommentare lesen darf. So kann die Sichtbarkeit auf

  • den eigentlichen Autoren / die Autorin eines Blogs beschränkt sein (z.B. Lerntagebuch zur Selbstreflexion),
  • die relevante Gruppe beschränkt werden (z.B. alle TeilnehmerInnen und Lehrenden des Moduls Marketing II),
  • die Hochschulöffentlichkeit eingeschränkt werden (z.B. alle NutzerInnen des Lernmanagementsystems der Hochschule) oder
  • die komplette Öffentlichkeit des Internets ausgeweitet werden. zurück zum Seitenanfang

Betreiber des Blogsystems

Über die technischen Mechanismen der Blogsysteme (Wikipedia: Pingback | Trackback | Feed | Blogroll ) können prinzipiell auch unterschiedliche verteilte Systeme für ein Blogprojekt verwendet und verknüpft werden.

Für eine Veranstaltung kann man also z.B.

  • freistellen, dass jeder Studierende bzw. jede Gruppe einen Blog bei einem Anbieter der Wahl einrichtet und den Lehrenden „nur” die URL des Blogs und des Feeds mitteilen.,
  • vorgeben, dass alle Teilnehmenden das vorhandene Blogsystem der Hochschule nutzen oder
  • bestimmen, dass ausschließlich das Blog-Modul des hochschuleigenen Lernmanagementsystems genutzt wird.

Gerade bei der Nutzung externer Anbieter ist darauf zu achten, dass die Datenschutzbestimmungen der Anbieter stark voneinander abweichen und Studierende im Rahmen einer Pflichtveranstaltung nicht zur Registrierung bei kommerziellen Anbieter angewiesen werden können.zurück zum Seitenanfang

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