Wiki

Viele viele Seiten nebeneinander überlappend

Das Werkzeug der Wikis ist eine der ältesten kollaborativen Schreibtechniken im Web. Bereits seit Mitte der 90er Jahre existieren die Wikis (früher auch WikiWiki oder WikiWikiWeb genannt), mit denen verschiedene Personen ganz einfach gemeinsam Inhalte auf Webseiten pflegen können. Der Grundgedanke der extrem einfachen Texterstellung gepaart mit der automatischen Verlinkung und Seitenerzeugung hat das Wiki schnell zu einem häufig eingesetzten Werkzeug werden lassen.

Grundprinzip

Das ursprüngliche Grundprinzip des Wikis war es, möglichst einfach und schnell einen Text gemeinsam bearbeiten zu können. Nach und nach sind natürlich wieder zusätzliche Funktionalitäten dazu gekommen. Die meisten Wikis bieten heute ein Rechtemanagement, mit dem zwischen Personen unterschieden werden kann, die lesen, schreiben oder veröffentlichen dürfen. Fast immer gibt es eine Versionskontrolle für die Seiteninhalte. D.h. man kann jederzeit nachschauen, wann welche Änderung (mit Rechtemanagement: von wem) gemacht wurde und kann auch einen beliebigen Versionsstand wieder herstellen. Damit verbunden ist häufig eine Diskussionsseite, in der die Autoren und Autorinnen Änderungen besprechen können, bevor diese umgesetzt werden oder wenn durchgeführte Änderungen umstritten sind. Von der Grundidee ist das Linkprinzip erhalten geblieben. Es gibt meist Regeln, wie ein Wort auszusehen hat, damit das System automatisch eine entsprechende Webseite anlegt, und alle Erwähnungen des Wortes mit dieser Webseite verlinkt. Ursprünglich war dies meist eine sog. KamelHöckerRegel, d.h. Worte mit Großbuchstaben im Wort wurden als eigene Seiten interpretiert. Heute kann die Seite oft alternativ z.B. auch durch [Eckige Klammern] definiert werden. Durch das Linkprinzip ergibt sich eine hypertextartige Struktur der Seiten, die keine linearen Hierarchien aufweist, sondern sich durch die Querverweise unter den Seiten definiert. zurück zum Seitenanfang


Einsatzformen

Während selbstgesteuerte offene Wiki-Projekte auch heute oft Vollkollaborativ arbeiten, also lesen und auch schreiben für alle (registrierten) Personen ermöglichen, können Wikis in der Lehre je nach Einsatzzweck auch mit anderen Rechtevorgaben verwendet werden. Im semikollaborativen Modus ist das Anlegen und Ändern von Seiten auf bestimmte Personen beschränkt. Dies können die Lehrenden oder aber auch einzelne Studierende oder Gruppen von Studierenden sein. Die anderen Studierenden sind aufgefordert, die Inhalte auf der Diskussionsseite zu kommentieren oder zu bewerten. Instruktional verwendet, funktioniert das Wiki als einfaches und schnelles Content-Management-System, mit dem Lehrende ihre Inhalte in der Onlineumgebung unkompliziert erstellen können.zurück zum Seitenanfang


Zeitliche Perspektive

Wenn Lehrende ein Wiki einsetzen, sollte überlegt werden, ob das Wiki z.B. bei jedem Moduldurchlauf zurückgesetzt und neu gemeinsam befüllt wird, oder ob das Wiki über mehrere Moduldurchläufe hinweg ausgearbeitet und erweitert wird. Das erste Szenario bietet sich eher für Grundlagenthemen an, welche die Studierenden sich erarbeiten und miteinander in Beziehung setzen sollen. Wenn man in höheren Semestern aber z.B. vertiefende Inhalte für spezielle Aspekte erarbeiten lässt, kann eine semesterübergreifende Sammlung eher interessant sein, um langfristig eine große Breite an Vertiefungsmodulen zu erhalten.zurück zum Seitenanfang


Didaktische Vorteile

Wie schon erwähnt, ist ein Wiki meist einfach in der Bedienung und Verwendung. Daher eignet es sich auch gut für erste Einstiege in die Online-Kooperation, wenn die Studierenden noch keine Erfahrung mit komplexeren Werkzeugen haben. In der vollkollaborativen Verwendung führt die Abwesenheit von Hierarchien zu einem Arbeiten „auf Augenhöhe”, was sowohl die Teamarbeit als auch die Motivation befördern kann. Durch die Möglichkeit der Diskussion ergibt sich ein an die konkreten Inhalte gebundenes Feedback, was von den Studierenden meist hoch geschätzt wird. Für die Lehrenden ergibt sich beim Wiki die Möglichkeit, nicht nur ein fertiges Endergebnis einer Gruppenarbeit zu betrachten, sondern den Entstehungsprozess und die damit zusammenhängenden Gruppenprozesse zu beobachten und zu bewerten. zurück zum Seitenanfang


Erfolgsfaktoren

Die Nutzung eines Wikis mag relativ einfach sein, der erfolgreiche Einsatz in Lehr-/Lernsettings ist aber keineswegs ein Selbstläufer. Die folgenden Aspekte sollen die Notwendigkeit einer didaktischen Planung verdeutlichen:

  • Bei der Einführung des Wikis sollte das Ziel der gemeinsamen Wikiarbeit ebenso klar kommuniziert werden wie die Erwartungen an die Mitarbeit der Studierenden. Wichtig dabei ist auch die Klärung der verschiedenen Rollen und Aufgaben zwischen Lehrenden, Studierendengruppen und einzelnen Studierenden.
  • Auch wenn ein Wiki einfach zu bedienen ist, sollte in jedem Fall eine Einführungsphase eingeplant werden, in der die Funktionen kurz demonstriert werden und technische Unterstützung bei Problemen angeboten wird.
  • Zu umfangreiche und komplexe Beispielseiten sind ebenso abschreckend wie das leere weiße Blatt (bzw. das leere Texteingabefeld). Es bietet sich deshalb an, eine exemplarische inhaltliche Grundstruktur als Einstieg vorzubereiten.
  • Um die intrinsische Motivation der Studierenden zu unterstützen, sollte die freiwillige und selbstbestimmte Mitarbeit und Ausgestaltung dabei nicht unnötig eingeschränkt werden.
  • Nicht nur das Erarbeiten der Inhalte, sondern auch deren Diskussion dient als Anstoß für Lernprozesse. Nutzen Sie daher die Möglichkeit der Kommentierung, Diskussion oder Bewertung der Inhalte sowohl durch die Studierenden als auch durch die Lehrenden. Diese Prozesse können sowohl online unter Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten stattfinden oder auch in die Präsenzphase vor Ort verlagert werden.
  • Geben Sie den Studierenden gerade am Anfang Kriterien an die Hand, nach denen diese die Inhalte bewerten sollen. Mögliche Leitfragen helfen dabei, die Diskussion anzustoßen und zu strukturieren.
  • Wenn Sie Inhalte dauerhaft vorhalten möchten, sollte eine Qualitätskontrolle sicherstellen, dass nicht falsche oder missverständliche Inhalte präsentiert werden. Dies kann entweder durch den Fachexperten oder die Fachexpertin erfolgen oder in einem Peer-Review-Prozess duch die Studierenden selbst, mit dem zugleich auch die vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit den fremden Inhalten angeregt wird.  zurück zum Seitenanfang

Verwendungsmöglichkeiten

Abschließend möchten wir im folgenden einige mögliche Verwendungen von Wikis in der Lehre auflisten, die Ihnen als Ansatzpunkt für eigene Einsatzszenarien dienen können:

  • Wissensdokumentation
  • Informationsaustausch
  • Projektarbeiten
  • Hausarbeiten
  • Glossar oder Lexikon
  • Entwurf von Spezifikationen
  • Wissensspeicher
  • Themensammlung
  • Ideensammlung
  • Protokolle
  • Projektkoordination und -dokumentation
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Literatur zum Thema Thelen, Tobias;Gruber, Clemens : Kollaboratives Lernen mit WikiWikiWebs. – In: Kerres, M.; Voß, B. (Hg.) (2003) : Digitaler Campus Vom Medienprojekt zum nachhaltigen Medieneinsatz in der Hochschule : Waxmann Verlag GmbH Münster, Westf Medien in der Wissenschaft Moskaliuk, Johannes (2008) : Konstruktion und Kommunikation von Wissen mit Wikis Theorie und Praxis : vwh Hülsbusch Boizenburg Web 2.0 Bremer, Claudia : Wikis im eLearning – In: Rensing, C. (Hg.) (2006) : Proceedings der Pre-Conference Workshops der 4. e-Learning Fachtagung Informatik Darmstadt 11.-14.09.06 : Berlin Kimmerle, Joachim;Moskaliuk, Johannes (2008) : Wikis in der Hochschule Faktoren für den erfolgreichen Einsatz : https://www.e-teaching.org/didaktik/kommunikation/wikis/08-11-19_Moskaliuk-Kimmmerle_Wikis.pdf weitere Literatur zum Thema Karlhuber, Stefan;Freisleben-Teutscher, Christian F.;Wageneder, Günter : Einsatz kollaborativer Werkzeuge Lernen und Lehren mit webbasierten Anwendungen – In: Ebner, Martin; Schön, Sandra (Hg.) (2013) : L3T. Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien : http://l3t.tugraz.at/index.php/LehrbuchEbner10/issue/current/showToc Riewerts, Kerrin : LabWrite Das Wiki für einfach bessere Protokolle – In: Urban, Diana; Salden, Peter; Kenneweg, Anne Cornelia; Merkt, Marianne; Hofhues, Sandra; Barnat, Miriam (Hg.) (2013) : Junges Forum Hochschul- und Mediendidaktik Forschung und Praxis im Dialog : Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung der Universität Hamburg ZHW-Almanach S.: 114 true 114 114 121 true 121 121 114-121 Panke, Stefanie;Thillosen, Anne (2008) : Unterwegs auf dem Wiki-Way Wikis in Lehr- und Lernsettings : https://www.e-teaching.org/didaktik/kommunikation/wikis/08-09-12_Wiki_Panke-Thillosen.pdf Internetseiten zum Thema ILIAS E-Learning – Wikis anlegen und bearbeiten : http://www.ilias.de/docu/goto_docu_lm_1349.html Wiki – MoodleDocs (06.06.2016) : https://docs.moodle.org/de/Wiki Markert, Doreen Universität Potsdam (2010) : Wikis in der Lehre E-Learning Wiki : http://www.uni-potsdam.de/db/wiki/elearning/index.php/Wikis_in_der_Lehre

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