Lehren und Lernen

Lernen ist ein Wechselwirkungsprozess, in dem Verhaltensweisen und Erfahrungen der Studierenden eine zentrale Rolle spielen. Deshalb ist nicht nur wichtig, was sich in den Augen des Lehrenden im Lernprozess abspielt.

Weit wichtiger ist die subjektive Wahrnehmung der lernenden Studentin und des lernenden Studenten. Wenn wir akzeptieren, dass der Erwerb von Wissen und nicht die Mitteilung von Wissen Ausgangspunkt der Lehre sein muss, dann müssen wir uns um nicht-direktive Methoden bemühen.

Wir müssen überlegen, welche Erfahrungen die Studierenden zum Lernen motivieren und befähigen. Die so genannten Grundlagen einer wissenschaftlichen Disziplin zu lehren, heißt nicht, die Studierenden dazu zu bringen, sie im Gedächtnis zu haben, sondern vielmehr, ihnen zu helfen, an dem Prozess teilzunehmen, der das Wissen einer Disziplin schafft und anwendet.

Ein Fach darf nicht gelehrt werden, um kleine lebende Bibliotheken zu erzeugen, sondern um die Studierenden zu befähigen, selbständig entsprechend den Gesetzen der Physik zu denken, Probleme aus dem Blickwinkel eines Biologen zu sehen oder sich den Vorgang des Gewinnens neuer Erkenntnisse zu eigen zu machen – Wissen ist ein Prozess, kein Produkt.

Wird Lehre auf solchen Grundsätzen aufgebaut, so müssen sich auch die traditionellen Rollen im Lehr-Lern-Prozess verändern.

Die Lernenden übernehmen Teile der traditionellen Lehrendenrolle während die Lehrenden den Prozess mehr begleiten und unterstützen.

Sie haben damit mehr die Rolle des Coachs und müssen aufgrund der zunehmenden Komplexität ihrer Aufgaben stärker als Team fächerübergreifend agieren.